45 Jahre alt, nicht gerade sportlich und dann kam das Jahr 2020 und mit ihm Covid-19. Rien ne das plus, nichts ging mehr, zumindest draußen nicht, das Leben stand still und während die Zeit einerseits im Schneckentempo voran schritt, zerfloss sie gleichzeitig zu einer gleichförmigen, langweiligen Masse. Was ist da eigentlich passiert in den zwei, drei Jahren? Nicht viel, an anderer Stelle zu wenig, aber es war wohl das einschneidendste Erlebnis in meinem Leben bisher. Aber irgendwie mussten wir ja auch alle raus irgendwie. An die frische Luft zumindest, hin und wieder mal das Homeoffice-Büro hinter uns lassen. Also spazieren. Und dann wandern. Der Übergang war fließend, aber spätestens als ich mir mal neue Wanderschuhe zugelegt habe, war klar, es geht jetzt erstmal weiter. Bildlich gesprochen.

Bodensee und Mittelmeer
Abends eine kleine Runde durch die Weinberge, am Wochenende 15, 20 oder 25 Kilometer, mal mehr, mal weniger. Aber eigentlich wollte ich ja schon mal weiter. Bei meinem Elternhaus war auf Straßenlaterne an der Ecke immer ein grünes Andreaskreuz aufgeklebt, ein paar Meter die Straße runter die Zusatzbezeichnung „Nordsee – Bodensee – Gotthard – Mittelmeer“. Das ist der Europäische Fernwanderweg E1, der da am Haus meiner Eltern vorbei führt (seit 30 Jahren etwa 100 Meter verlegt, seit eine Fußgängerampel an der Hauptstraße aufgestellt wurde). Den wollte ich immer gehen. Und jetzt ist es soweit.
Auszeit
Ich gönne mir eine berufliche Auszeit, habe den Job als Redakteur, Datenjournalist und Grafiker erstmal geparkt und gehe im Jahr 2026 wandern. Inzwischen bin ich 50 Jahre alt, immer noch einigermaßen unsportlich, aber ich bin mir sicher, dass ich den E1 durch Deutschland schaffen werde. Wie’s wird werde ich hier bloggen und bei Instagram in Häppchen servieren.