Ende der 1960er-Jahre haben europäische Wanderverbände damit begonnen, ein Netz von zunächst sechs grenzüberschreitenden Fernwanderwegen zu schaffen. Diese Europäischen Fernwanderwege bewegten sich zunächst ausschließlich im westeuropäischen Raum, sowie im Süden des Kontinents bis in die Türkei. Der Osten jenseits des eisernen Vorhangs war mitten im Kalten Krieg noch nicht erwanderbar. Bis Ende der 1970er-Jahre war das Netz soweit ausgeschildert; bis heute sind noch sechs weitere internationale Fernwanderwege dazugekommen, allesamt nach dem politischen Umsturz in der ehemals sowjetisch beherrschten Zone im östlichen Teil des Kontinents.
Die größte Nord-Süd-Strecke von allen Europäischen Fernwanderwegen deckt der E1 ab, der vom Nordkap bis zur Südspitze Siziliens reicht – wenn auch noch mit einigen Lücken in Italien. Auch die Verlängerung bis zum nördlichsten Zipfel des europäischen Festlands kam erst nach dem Jahr 2000 dazu. Heute ist der E1 fast 8000 Kilometer lang, rund 1900 Kilometer davon führen durch Deutschland.

Auf regionalen Wanderwegen
Die Europäischen Fernwanderwege verlaufen oft auf regionalen Wanderrouten, entsprechend wechselt auch die Beschilderung. Während der E! in Deutschland. Hauptsächlich wird der Weg mit einem weißen Andreaskreuz auf schwarzem Grund markiert, im Bereich des Odenwaldclubs ist es allerdings ein grünes Andreaskreuz auf weißem Grund und im südlich daran anschließenden Abschnitt des Schwarzwalds folgt der E1 dem Westweg des Schwarzwaldvereins, gekennzeichnet mit einer roten Raute. Der Westweg war übrigens der erste Fernwanderweg, der den Schwarzwald auf voller Länge durchquert hat, er beginnt wie auch der Ost- und der Mittelweg in Pforzheim.

Heutzutage sollte das allerdings kein Problem mehr sein, wer dem Weg folgen will, kann sich die GPX-Daten herunterladen und dem Handy folgen und wer sich unsicher ist, kann googeln, welche Markierung nun gerade gilt. Wie das in der Praxis wird, werde ich im Laufe der Wanderung sicherlich berichten können.
Ostsee vs. Nordsee
Was auf jeden fall nicht ganz richtig ist, ist die Zusatzbezeichnung, die der E1 in Deutschland manchmal trägt: „Nordsee – Bodensee“ bzw. „Nordsee – Bodensee – Gotthard – Mittelmeer“. Denn die eigentliche Strecke des E1 führt zumindest ein Stück an der Ostsee entlang, nur die Westvariante schwenkt nach dem Start bei Flensburg nach Westen und führt zur Nordsee. Beide Varianten vereinen sich in Hamburg wieder, von wo aus der deutsche Teil des Wegs an den Bodensee führt. Wer bis dahin noch nicht genug hat, kann die Alpen überqueren und dabei auf dem Gotthard den höchsten Punkt des E1 erreichen.
Das obige Video zeigt in nicht einmal zweieinhalb Minuten den Verlauf des E1 durch Deutschland in ganz groben Zügen. Ich habe einen kleinen Kommentar dazu gesprochen.
